Queercore, anfangs auch Homocore genannt, ist eine kulturelle und musikalische Bewegung, die Mitte der 1980er-Jahre als Abspaltung der Punk-Subkultur entstand – vor allem in Toronto, aber mit Ablegern auch anderswo. Sie richtete sich gegen die Homophobie, die viele queere Menschen selbst in der eigentlich rebellischen Punk-Szene erlebten, verschärft durch die Stigmatisierung während der AIDS-Krise und die zunehmende Kommerzialisierung des Punk. Queercore verstand sich als Raum für Menschen, die „zu queer für die Punk-Szene und zu punk für die queere Szene“ waren, und drückte sich in einer konsequenten Do-it-yourself-Ästhetik aus: in selbstgemachten Fanzines, Musik, Texten und Filmen abseits etablierter Strukturen. Der Namenswechsel von „Homocore“ zu „Queercore“ markierte zugleich eine bewusste Öffnung – weg vom Bild des weißen schwulen Punks hin zu einer inklusiveren Bewegung, die lesbische, bisexuelle, trans und nicht-binäre Perspektiven einschloss. Bis heute steht Queercore für eine Haltung, die gesellschaftliche Anerkennung weniger sucht als eigene, unangepasste Räume zu schaffen.