Das Split-Attraction-Modell unterscheidet zwischen romantischer und sexueller Anziehung und erlaubt es, dass beide bei derselben Person unterschiedlich ausfallen. Jemand kann sich demnach etwa romantisch zu Männern und Frauen gleichermaßen hingezogen fühlen (panromantisch), während sexuelle Anziehung nur unter bestimmten Bedingungen entsteht (demisexuell) – daher zusammengesetzte Selbstbezeichnungen wie „aromantisch-asexuell" oder „panromantisch-demisexuell".
Frühe Vorläufer der Idee reichen weit zurück: Bereits 1879 unterschied der Jurist Karl Heinrich Ulrichs zwischen „konjunktiver" und „disjunktiver" Bisexualität und meinte damit im Kern getrennte romantische und sexuelle Gefühle – ein Gedanke, der lange kaum Beachtung fand. 1979 beschrieb die Psychologin Dorothy Tennov mit dem Begriff „Limerenz" eine von sexuellem Verlangen unabhängige Form der Verliebtheit. Der heute gebräuchliche Begriff selbst entstand erst um 2015 innerhalb asexueller und aromantischer Communitys, aufbauend auf einer Terminologie für Aromantik, die sich seit etwa 2005 entwickelt hatte.
Das Modell wird mittlerweile über Romantik und Sexualität hinaus erweitert, etwa um platonische, sinnliche oder ästhetische Anziehung, und hilft dabei, Beziehungsformen wie queerplatonische Partnerschaften zu beschreiben, die sich klassischen Kategorien entziehen. Wissenschaftlich ist die Unterscheidung noch wenig erforscht; eine Studie von 2022 bestätigte immerhin, dass sich getrennte Anziehungsformen sowohl bei asexuellen als auch bei nicht-asexuellen Menschen finden lassen.