Toonen v. Australia ist eine Entscheidung des Menschenrechtsausschusses der Vereinten Nationen vom 31. März 1994, die als erster internationaler Präzedenzfall zum Schutz sexueller Orientierung als Menschenrecht gilt. Ausgangspunkt war die Beschwerde des tasmanischen HIV/Aids-Aktivisten Nicholas Toonen gegen die damals in Tasmanien geltenden Gesetze, die einvernehmliche sexuelle Handlungen zwischen Männern unter Strafe stellten. Toonen hatte deswegen seine Stelle beim Tasmanian AIDS Council verloren, nachdem der Bundesstaat mit dem Entzug von Fördermitteln gedroht hatte.
Der UN-Menschenrechtsausschuss stellte fest, dass die tasmanischen Gesetze gegen den Internationalen Pakt über bürgerliche und politische Rechte verstießen, konkret gegen die Schutzbestimmungen für Privatsphäre und Gleichbehandlung. Der Ausschuss entschied dabei erstmals, dass sexuelle Orientierung unter das im Pakt verankerte Diskriminierungsverbot fällt.
Als Reaktion verabschiedete die australische Bundesregierung 1994 den Human Rights (Sexual Conduct) Act, der einvernehmliche sexuelle Handlungen zwischen Erwachsenen landesweit legalisierte; Tasmanien strich seine entsprechenden Strafvorschriften 1997. Der Fall wird bis heute von internationalen Menschenrechtsgremien als Referenz in Verfahren zu LGBTQ-Rechten herangezogen.