Virginia Woolf (1882–1941) zählt zu den einflussreichsten britischen Schriftstellerinnen des 20. Jahrhunderts und gilt zugleich als eine der literarisch bedeutendsten queeren Figuren ihrer Zeit. Bekannt wurde sie unter anderem durch Romane wie „Mrs Dalloway“ und „Die Wellen“ sowie durch ihre Rolle im Künstler*innen- und Intellektuellenkreis der Bloomsbury Group.
Zentral für ihre queere Bedeutung ist ihre langjährige, öffentlich bekannte Liebesbeziehung zur Schriftstellerin und Gärtnerin Vita Sackville-West, die weit über eine rein platonische Freundschaft hinausging und beide Frauen literarisch beeinflusste. Aus dieser Beziehung ging Woolfs Roman „Orlando“ (1928) hervor, dessen Titelfigur über Jahrhunderte hinweg lebt und dabei mühelos das Geschlecht wechselt – ein für seine Zeit ungewöhnlich offener literarischer Umgang mit Geschlechtsidentität und -wandel, der „Orlando“ bis heute als frühen Bezugspunkt queerer und Trans-Literaturgeschichte erscheinen lässt.
Woolfs Werk und Biografie werden in der queeren Literaturwissenschaft regelmäßig im Kontext von weiblichem Begehren, gesellschaftlichen Zwängen ihrer Zeit und literarischer Selbstermächtigung diskutiert.