Anachronismus bezeichnet im queeren Kontext die Tendenz, moderne Konzepte von Sexualität, Geschlecht oder Identität auf historische Personen oder Epochen zu projizieren, ohne deren eigene kulturelle und sprachliche Rahmenbedingungen zu berücksichtigen. Gleichzeitig gibt es historische queere Erfahrungen, die mit modernen Konzepten in Beziehung gesetzt werden können, auch wenn die Terminologie sich unterscheidet. Das Bewusstsein für Anachronismen ist wichtig für eine differenzierte queere Geschichtsschreibung. Die Frage, welche historischen Personen als queer bezeichnet werden dürfen, ist Teil akademischer und aktivistischer Debatten.