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Karl Maria Kertbeny

Karl Maria Kertbeny (1824–1882), geboren als Karl Maria Benkert in Wien, war ein österreichisch-ungarischer Schriftsteller, Übersetzer und Publizist. Er gilt als Urheber der Begriffe „homosexuell“ und „heterosexuell“. In einem Brief vom 6. Mai 1868 an den Juristen und frühen Vorkämpfer für die Rechte gleichgeschlechtlich liebender Menschen, Karl Heinrich Ulrichs, verwendete Kertbeny diese Wortschöpfungen erstmals. Öffentlich erschienen sie 1869 in zwei anonym veröffentlichten Broschüren, mit denen er gegen den geplanten §143 des preußischen Strafgesetzbuches protestierte, der gleichgeschlechtliche Handlungen unter Strafe stellen sollte. Kertbeny ging es darum, eine neutrale, wissenschaftlich klingende Terminologie zu schaffen, die frei war von den moralisch abwertenden Begriffen seiner Zeit wie „Sodomie“ oder „widernatürliche Unzucht“. Sexuelle Orientierung sei angeboren, so seine Überzeugung, und daher kein Gegenstand strafrechtlicher Verfolgung. Neben „homosexuell“ und „heterosexuell“ prägte er weitere, heute nicht mehr gebräuchliche Kategorien. Ende des 19. Jahrhunderts griff die Sexualwissenschaft die von ihm eingeführten Begriffe auf, unter anderem Richard von Krafft-Ebing, und verbreitete sie in zahlreiche Sprachen. Kertbeny selbst starb verarmt und weitgehend vergessen in Budapest; erst im 20. Jahrhundert wurde seine Rolle als Wortschöpfer wiederentdeckt und historisch eingeordnet.

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