Als Lavender Scare wird die Verfolgungswelle gegen lesbische und schwule Angestellte der US-Bundesregierung bezeichnet, die parallel zur antikommunistischen Hysterie der McCarthy-Ära ihren Lauf nahm. Die Logik der Verfolger: Wer seine Homosexualität verbergen musste, sei erpressbar und damit ein Sicherheitsrisiko für den Staat – ein Vorwand, der tausende Karrieren zerstörte, ohne dass je ein einziger dokumentierter Fall von Erpressung durch eine fremde Macht bekannt wurde. Kongressausschüsse befragten und entließen systematisch Regierungsangestellte, sobald der Verdacht auf Homosexualität im Raum stand, und die Praxis wurde per Erlass zur offiziellen Einstellungspolitik des Bundes.
In besonders sicherheitsrelevanten Behörden wirkte der Ausschluss bis weit in die jüngere Vergangenheit nach, lange nachdem die öffentliche Hysterie der McCarthy-Ära selbst abgeklungen war. Erst nach jahrzehntelangem Protest wurde die Diskriminierung aufgrund der sexuellen Orientierung in der Bundesverwaltung formell untersagt. Historiker:innen sehen im Lavender Scare heute einen zentralen Auslöser für die frühe homosexuelle Bürgerrechtsbewegung in den USA: Wer öffentlich verfolgt wurde, begann sich zu organisieren.