Lou Sullivan (1951–1991) war ein US-amerikanischer Aktivist und Autor, der als erster trans Mann bekannt wurde, der sich öffentlich zugleich als schwul bezeichnete. In den 1970er-Jahren identifizierte er sich zunächst als weiblicher Transvestit, ab Mitte des Jahrzehnts als „female-to-male-transsexual“, der sich zu Männern hingezogen fühlte.
Damit stellte er sich gegen die damalige medizinische Praxis, die trans Männern mit gleichgeschlechtlichem Begehren eine Behandlung verweigerte, weil Ärzt*innen Geschlechtsidentität und sexuelle Orientierung als untrennbar verknüpft ansahen. Sullivan lebte ab 1980 nach einer Testosterontherapie und einer Mastektomie offen als schwuler Mann, gründete die Organisation FTM International und verfasste mit „Information for the FTM“ einen der ersten praktischen Ratgeber für trans Männer. Er starb 1991 an den Folgen von Aids – auch das ein früher, öffentlicher Beleg dafür, dass die HIV-Krise auch trans Männer betraf.