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Māhū

Māhū bezeichnet in der hawaiianischen und tahitianischen Kultur Menschen, die traditionell als Verkörperung sowohl männlichen als auch weiblichen Geistes gelten. Der Begriff beschreibt damit weniger eine sexuelle Orientierung als eine eigenständige, historisch anerkannte Geschlechterrolle. Vor dem Kontakt mit europäischen Kolonisatoren genossen Māhū in der hawaiianischen und tahitianischen Gesellschaft hohes Ansehen: Sie wirkten häufig als Lehrende für Hula-Tanz und -Gesang, als Hüter*innen kulturellen Wissens und übernahmen rituelle Aufgaben, etwa Tempeltänze, die sonst Frauen vorbehalten waren. Die „Healer Stones of Kapaemahu“ in Waikīkī erinnern an vier bedeutende Māhū, die der Überlieferung nach Heilkünste von Tahiti nach Hawaiʻi brachten. Mit der Ankunft christlicher Missionare und der Einführung von Anti-Sodomie-Gesetzen im 19. Jahrhundert wurde der Begriff zunehmend abwertend besetzt und die soziale Stellung von Māhū stark beschädigt. Heute knüpfen viele Māhū wieder an die alten Traditionen an, wirken als Kulturvermittler*innen, Musiker*innen und Sprachbewahrer*innen und tragen aktiv zur Revitalisierung polynesischer Kultur bei.

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