Neurodivergenz bezeichnet Abweichungen der neurologischen Entwicklung und Funktionsweise von der gesellschaftlich als „Norm" verstandenen neurologischen Verarbeitung – etwa bei Autismus, ADHS, Legasthenie oder Tourette-Syndrom. Der Begriff stammt aus dem Konzept der Neurodiversität, das solche Unterschiede nicht als Defizit, sondern als natürliche Variation menschlichen Denkens versteht. In der queeren Community gewinnt das Thema zunehmend an Sichtbarkeit, da Studien und Erfahrungsberichte auf eine überdurchschnittlich hohe Überschneidung zwischen LGBTIQ-Identitäten und Neurodivergenz hinweisen. Neurodivergente queere Menschen berichten häufig von doppelter Diskriminierung – etwa wenn Fachpersonal Anzeichen von Autismus fälschlich der Geschlechtsidentität zuschreibt oder umgekehrt. Die Selbstbezeichnung „neurodivergent" wird bewusst als Gegenentwurf zu pathologisierenden Diagnosebegriffen verwendet und schafft Raum für Selbstbestimmung und Solidarität innerhalb und außerhalb queerer Räume.