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Section 377

Buchstabe S 84 Begriffe

Section 377 war eine Vorschrift des indischen Strafgesetzbuchs, die sexuelle Handlungen „wider die Ordnung der Natur“ unter Strafe stellte. Als Strafe drohten lebenslange Haft oder bis zu zehn Jahre Gefängnis plus Geldstrafe. Bereits jede Penetration genügte für den Tatbestand.

Das Gesetz stammt aus der britischen Kolonialzeit und wurde 1860 im Indian Penal Code festgelegt; manche Quellen nennen 1861 oder 1862 als Zeitpunkt der Einführung. Vorbild war der englische Buggery Act von 1533. Später übernahmen weitere britische Kolonien ähnliche Vorschriften.

Der Weg zur Abschaffung dauerte Jahrzehnte. Am 2. Juli 2009 erklärte der Delhi High Court die Norm im Fall Naz Foundation gegen die Regierung von Delhi für einvernehmlichen Sex unter Erwachsenen für verfassungswidrig. Am 11. Dezember 2013 hob der Oberste Gerichtshof dieses Urteil in Suresh Kumar Koushal gegen Naz Foundation wieder auf und verwies auf das Parlament. Erst am 6. September 2018 entschied ein Verfassungssenat mit fünf Richtern im Fall Navtej Singh Johar gegen die Union von Indien einstimmig, dass Section 377 verfassungswidrig ist, soweit sie einvernehmliche gleichgeschlechtliche Handlungen zwischen Erwachsenen bestraft.

Strafbar blieben Sex mit Minderjährigen, nicht einvernehmliche Handlungen und Sodomie mit Tieren. Seit dem 1. Juli 2024 gilt in Indien der Bharatiya Nyaya Sanhita anstelle des Indian Penal Code; dort ist Section 377 nicht mehr enthalten (Stand: Oktober 2026).

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