„The Well of Loneliness“ (1928) von Radclyffe Hall gilt als erster englischsprachiger Roman, der lesbisches Begehren offen thematisierte – Hall selbst sprach von „sexueller Inversion“. Um der britischen Zensur zu entgehen, erschien das Buch zunächst in Paris. In Großbritannien wurde es dennoch wegen Verstoßes gegen den Obscene Publications Act von 1857 angeklagt; im November 1928 urteilte ein Richter, der Roman sei obszön und müsse vernichtet werden – obwohl lesbische Handlungen selbst zu dieser Zeit in England nicht strafbar waren.
Das Verbot in Großbritannien bestand bis 1959, Radclyffe Hall erlebte die Aufhebung nicht mehr – sie starb 1943. Trotz des Verbots wurde der Roman international zum Bestseller und blieb über Jahrzehnte der bekannteste lesbische Roman überhaupt. Bis heute gilt er als Meilenstein der lesbischen Literaturgeschichte, wenn auch seine Darstellung lesbischen Lebens als tragisch und von Selbsthass geprägt aus heutiger Sicht kritisch gesehen wird.