Als „Trans Panic Defense“ wird eine Verteidigungsstrategie vor US-Gerichten bezeichnet, bei der Angeklagte Gewalttaten gegen trans Personen damit rechtfertigen, die Entdeckung der Trans-Identität des Opfers habe sie in einen unkontrollierbaren Schockzustand versetzt. Die Strategie knüpft an die ältere „Gay Panic Defense“ an und wird rechtlich meist als Spielart der Affekt- oder Notwehrprovokation genutzt, um eine Tat von Mord auf Totschlag herabzustufen oder eine mildere Strafe zu erwirken.
Kritiker:innen werfen der Strategie vor, Vorurteile gegenüber trans Menschen zu legitimieren und Opfern eine Mitschuld an der gegen sie verübten Gewalt zuzuschreiben. Die American Bar Association forderte 2013 einstimmig, die Verteidigung gesetzlich auszuschließen. In den USA haben mittlerweile mehr als 20 Bundesstaaten sowie der District of Columbia entsprechende Verbote erlassen, die eine Berufung auf die sexuelle Orientierung oder Geschlechtsidentität des Opfers als Rechtfertigung ausschließen. Auf Bundesebene ist ein entsprechendes Verbot bislang nicht verabschiedet.