Transnormativität bezeichnet die gesellschaftliche Erwartung, dass trans Personen einer bestimmten, meist binären Erzählung von Transition folgen müssen, um als „richtig" trans anerkannt zu werden – etwa mit einem klaren „Ich wusste es schon als Kind", einer vollständigen medizinischen Angleichung und dem Ziel, im Alltag nicht mehr als trans erkennbar zu sein. Wer von diesem Skript abweicht, etwa nicht-binäre Personen, Menschen ohne Wunsch nach Hormonen oder Operationen oder solche mit einem unklaren, langsamen oder rückblickend uneindeutigen Weg, erfährt häufig zusätzliche Skepsis – auch innerhalb der eigenen Community.
Der Begriff kritisiert damit nicht Transition an sich, sondern die Vorstellung, es gebe nur einen legitimen Weg dorthin. Er wird oft parallel zu Homonormativität diskutiert, die Ähnliches für schwule und lesbische Lebensentwürfe beschreibt: Anerkennung wird an Anpassung an mehrheitsgesellschaftliche Normen geknüpft, statt Vielfalt an Identitäten und Körpern tatsächlich zuzulassen. In der trans Community selbst wird der Begriff genutzt, um Druck von innen wie außen sichtbar zu machen.