„Travesti“ bezeichnet in Lateinamerika – vor allem in Brasilien, Argentinien und Peru – eine eigenständige Geschlechtsidentität von Menschen, denen bei der Geburt das männliche Geschlecht zugewiesen wurde und die eine weibliche Geschlechtsidentität leben. Der Begriff war ursprünglich abwertend gemeint, wurde ab den 1990er Jahren jedoch von Aktivist*innen selbstbewusst zurückerobert und politisch neu besetzt. Travesti unterscheidet sich dabei bewusst vom Begriff „trans“: Während „transgender“ häufig einen Wechsel von einem Geschlecht zum anderen über rechtliche, körperliche oder soziale Schritte beschreibt, verstehen sich viele Travestis nicht notwendigerweise als Frauen im binären Sinn, sondern beanspruchen ausdrücklich eine eigene Position außerhalb der Geschlechterbinarität. Besonders in Brasilien sind Travestis kulturell sichtbar; Persönlichkeiten wie Roberta Close wurden landesweit bekannt, und der Karneval bot historisch einen der wenigen öffentlichen Räume für Selbstdarstellung außerhalb polizeilicher Verfolgung. Zugleich ist die Geschichte der Travestis in Lateinamerika von struktureller Gewalt geprägt: willkürliche Verhaftungen, Diskriminierung, erzwungene Sexarbeit, Folter und Mord gehören zu den dokumentierten Erfahrungen vieler Travestis – bei gleichzeitig bedeutenden kulturellen und künstlerischen Beiträgen der Community.