Yan Daudu (auch ’yan daudu) ist ein Begriff aus der Hausa-Sprache und bezeichnet in der Hausa-Fulani-Kultur Nordnigerias und des südlichen Niger Männer mit feminimem Auftreten, die häufig auch Sex mit anderen Männern haben. Übersetzt bedeutet der Begriff etwa "Söhne Daudus".
Historisch reicht die Rolle bis in vorislamische Zeit zurück: Yan Daudu traten in femininen Tänzen auf und waren Teil der Bori-Geisterkult-Praxis, in der sie dem Geist Dan Galadima Opfergaben brachten. In der Gesellschaft füllten sie oft eine vermittelnde Funktion aus — etwa als Verbindung zwischen Männern und Sexarbeiterinnen in den Frauenquartieren. Viele von ihnen führten gleichzeitig eine Ehe mit Kindern.
Der Ethnologe Rudolf P. Gaudio hat die Gruppe wissenschaftlich intensiv untersucht und ihre Position zwischen Geschlechternonkonformität und lokalen Männlichkeitsvorstellungen beschrieben. In der heutigen nigerianischen Gesellschaft werden Yan Daudu meist als homosexuell eingeordnet, auch wenn viele Betroffene diese Fremdzuschreibung nicht für sich übernehmen — der einst neutrale Begriff ist zunehmend stigmatisierend besetzt.