Als AIDS-Krise wird die gesellschaftliche, medizinische und politische Ausnahmesituation bezeichnet, die vor allem in den 1980er- und frühen 1990er-Jahren durch die rasante Ausbreitung von HIV und AIDS entstand. Besonders schwule Männer und andere queere Communitys waren in dieser Zeit überproportional betroffen, während staatliche Reaktionen in vielen Ländern - etwa in den USA unter der Reagan-Regierung - lange ausblieben oder von Stigmatisierung geprägt waren. Aus der Krise entstanden Selbsthilfestrukturen und Aktivismus-Organisationen wie ACT UP und die Gay Men's Health Crisis, die politischen Druck für Forschung, Medikamentenzugang und Aufklärung aufbauten. Kunstprojekte wie das NAMES Project AIDS Memorial Quilt hielten die Erinnerung an die vielen Todesopfer wach. Erst mit der Einführung wirksamer antiretroviraler Kombinationstherapien Mitte der 1990er-Jahre verlor eine HIV-Infektion in westlichen Ländern ihren unmittelbar tödlichen Charakter. Die AIDS-Krise gilt bis heute als einer der prägendsten Abschnitte queerer Geschichte, weil sie Selbstorganisation, Sichtbarkeit und politischen Aktivismus der Community nachhaltig verändert hat.