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Anna Rüling

Anna Rüling war das Pseudonym einer deutschen Schriftstellerin und Rednerin, die mit einer öffentlichen Rede vor dem Wissenschaftlich-humanitären Komitee als eine der ersten Personen weltweit explizit die Verbindung zwischen lesbischer Emanzipation und Frauenbewegung thematisierte. In ihrem Vortrag mit dem Titel „Welches Interesse hat die Frauenbewegung an der Lösung des homosexuellen Problems?“ kritisierte sie, dass die bürgerliche Frauenbewegung homosexuelle Frauen weitgehend ignoriere, obwohl beide Bewegungen gegen ähnliche gesellschaftliche Zwänge kämpften.

Offen sprach Rüling über ihre eigene Homosexualität, was zur damaligen Zeit ein erhebliches persönliches Risiko darstellte, und gilt vielen Historiker*innen deshalb als erste bekannte lesbische Aktivistin im deutschsprachigen Raum. Für ihre Kritik an der Frauenbewegung erntete sie scharfe Ablehnung, unter anderem vom Bund Deutscher Frauenvereine.

Nach ihrem Auftritt zog sich Rüling weitgehend aus der öffentlichen Debatte zurück, ihre weitere Biografie liegt zu großen Teilen im Dunkeln. Ihre Rede gilt dennoch als bedeutender früher Beleg dafür, dass Fragen sexueller und geschlechtlicher Selbstbestimmung bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts Teil politischer Debatten waren, und wird in der historischen Aufarbeitung der frühen Homosexuellenbewegung regelmäßig als Referenzpunkt genannt.

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