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Boston Marriage

Als Boston Marriage bezeichnete man im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert in den USA eine langjährige häusliche Partnerschaft zweier finanziell unabhängiger Frauen ohne männlichen Haushaltsvorstand. Der Begriff geht vermutlich auf Henry James' Roman „The Bostonians“ (1885) zurück, der zwei zusammenlebende, fortschrittlich gesinnte Frauen in Boston schildert. Ob solche Beziehungen romantisch oder sexuell waren, ließ sich retrospektiv selten eindeutig klären – viele Betroffene hinterließen bewusst keine eindeutigen Zeugnisse. Bis in die 1920er-Jahre galten Boston Marriages weithin als respektabel und unauffällig, oft im Umfeld von Frauencolleges und Reformbewegungen. Erst mit wachsendem öffentlichem Bewusstsein für weibliche Homosexualität gerieten solche Partnerschaften zunehmend unter Verdacht, was dazu führte, dass ab den 1920er-Jahren weniger unverheiratete Frauen offen zusammenlebten. Der Begriff gilt heute als wichtiger Referenzpunkt für die Geschichte lesbischer und queerer Beziehungen vor der Existenz eines entsprechenden Vokabulars.

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