Das Eldorado war einer der bekanntesten queeren Vergnügungsorte im Berlin der 1920er-Jahre, in einer Zeit, in der queeres Leben in der Weimarer Republik ungewöhnlich sichtbar war. Der Club existierte in zwei Filialen im Berliner Westen, unter anderem an der Motzstraße in Schöneberg, mitten im damaligen Szeneviertel rund um den Nollendorfplatz.
Anders als viele andere Treffpunkte war das Eldorado kein verstecktes Hinterzimmer, sondern ein offen beworbenes Etablissement, das gezielt auch ein bürgerliches und touristisches Publikum anzog. Bekannt war der Club vor allem für seine aufwendigen Travestie- und Cross-Dressing-Auftritte sowie für Bälle, bei denen Gäste unabhängig von ihrem zugewiesenen Geschlecht in der Kleidung auftraten, die sie wählten. Zu den Besucher*innen zählten Künstler*innen wie Otto Dix, der Szenen aus dem Club malte, und vermutlich auch Marlene Dietrich.
Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 wurde das Eldorado wie fast alle queeren Lokale Berlins geschlossen. Die Erinnerung an den Ort lebte Jahrzehnte später wieder auf: Die Ausstellung „Eldorado – homosexuelle Frauen und Männer in Berlin 1850–1950“ von 1984 gilt als direkter Anstoß zur Gründung des Schwulen Museums Berlin im Jahr 1985.