Gladys Bentley (1907–1960) war eine US-amerikanische Blues-Sängerin und Pianistin, die während der Harlem Renaissance zu einer der bekanntesten und finanziell erfolgreichsten Schwarzen Künstlerinnen ihrer Zeit wurde. Sie trat regelmäßig im markanten schwarz-weißen Frack auf, sang unverblümt über gleichgeschlechtliches Begehren und leitete eine eigene Revue mit männlichen Tänzern in Frauenkleidern im Ubangi Club.
Bentley lebte offen als lesbische, männlich gelesene Person – eine öffentliche Selbstverständlichkeit, die für die 1920er- und 1930er-Jahre höchst ungewöhnlich war. In den 1950er-Jahren geriet sie unter dem Druck der McCarthy-Ära und wachsender gesellschaftlicher Repression zunehmend in Erklärungsnot und behauptete öffentlich, durch eine Hormonbehandlung „geheilt“ worden zu sein. Heute gilt sie als eine der prägendsten Figuren der frühen Schwarzen queeren Kulturgeschichte in den USA.