Als Glass Closet („gläserner Schrank“) wird ein Zustand zwischen Coming-out und vollständigem Closeted-Sein bezeichnet: Die sexuelle Orientierung oder Geschlechtsidentität einer Person ist vielen bekannt oder wird allgemein angenommen, wird von der Person selbst aber weder öffentlich bestätigt noch dementiert.
Typisch für den Glass Closet ist etwa eine langjährige gleichgeschlechtliche Partnerschaft, die öffentlich sichtbar gelebt wird, ohne dass die betroffene Person sich je konkret dazu äußert. Der Begriff wird besonders häufig im Zusammenhang mit prominenten Personen verwendet, deren Orientierung als offenes Geheimnis gilt.
Historisch prägend war diese Praxis vor allem in Hollywood der 1920er- bis 1950er-Jahre, als Studios aus Angst vor Publikumsreaktionen queere Schauspieler:innen aktiv zur Zurückhaltung drängten. Auch heute greifen manche Prominente auf diese Strategie zurück, etwa um berufliche Risiken zu vermeiden oder familiäre Rücksichten zu wahren. Kritiker:innen sehen im Glass Closet eine Form von Halbherzigkeit, die weder wirkliche Sichtbarkeit noch echten Schutz bietet; Verteidiger:innen betonen das Recht, die eigene Geschichte selbst und im eigenen Tempo zu erzählen.