Kimberlé Crenshaw ist eine US-amerikanische Rechtswissenschaftlerin, die 1989 den Begriff „Intersektionalität" prägte. In ihrem Aufsatz „Demarginalizing the Intersection of Race and Sex" beschrieb sie, wie sich Diskriminierungsformen wie Rassismus und Sexismus bei Schwarzen Frauen überlagern und dadurch spezifische Erfahrungen entstehen, die weder mit dem Begriff Rassismus noch mit dem Begriff Sexismus allein erfasst werden können.
1991 vertiefte sie das Konzept im Aufsatz „Mapping the Margins: Intersectionality, Identity Politics, and Violence Against Women of Color" und erweiterte es um Gewalt gegen Frauen of Color. Intersektionalität beschreibt seither ein analytisches Werkzeug, mit dem sich verschiedene, sich überschneidende Diskriminierungsachsen – etwa Geschlecht, Herkunft, Klasse, sexuelle Orientierung oder Geschlechtsidentität – gemeinsam betrachten lassen, statt sie isoliert zu behandeln.
Das Konzept wurde weit über die Rechtswissenschaft hinaus aufgegriffen und ist heute ein zentraler Bezugspunkt queerer und feministischer Theoriebildung: Es hilft zu erklären, warum etwa queere Menschen of Color, migrantische trans Personen oder queere Menschen mit Behinderung von Diskriminierung oft in besonderer, mehrfacher Weise betroffen sind.