Michel Foucault, geboren 1926 in Poitiers und gestorben 1984 in Paris an den Folgen einer HIV-Infektion, war einer der einflussreichsten Philosophen des 20. Jahrhunderts. Von 1970 an hatte er am Collège de France den Lehrstuhl für Geschichte der Denksysteme inne; sein langjähriger Lebenspartner war der Historiker Daniel Defert.
Für die Queer Theory zentral ist sein mehrbändiges Werk „Sexualität und Wahrheit“, dessen erster Band 1976 erschien. Darin widerspricht Foucault der Vorstellung, Sexualität sei eine feste, biologisch gegebene Kategorie. Stattdessen zeigt er, wie sie durch Diskurse, Wissenschaft und Institutionen wie Medizin und Psychiatrie historisch erst hervorgebracht wurde – Macht wirkt bei ihm nicht nur unterdrückend, sondern erzeugt Wissen und vermeintliche Wahrheiten über den Menschen.
Weil diese Sichtweise sexuelle Identitäten als historisch gewachsen statt naturgegeben beschreibt, lieferte Foucaults Werk queeren Theoretiker*innen ab den 1990er Jahren zentrale Werkzeuge, um Kategorien wie „homosexuell“ oder „heterosexuell“ selbst zu hinterfragen. Ohne seine Begriffe von Diskurs und Macht wäre die moderne Queer Theory kaum denkbar.