MSM steht für „Männer, die Sex mit Männern haben“ und beschreibt sexuelles Verhalten, nicht sexuelle Identität. Der Begriff wurde in den 1990er-Jahren von Epidemiolog:innen eingeführt, um im Rahmen der HIV- und STI-Forschung alle Männer zu erfassen, die gleichgeschlechtlichen Sex haben – unabhängig davon, ob sie sich selbst als schwul, bisexuell, pansexuell, heterosexuell oder anders bezeichnen. Ein Mann kann sich beispielsweise als heterosexuell verstehen und dennoch unter die Kategorie MSM fallen, wenn er gelegentlich Sex mit Männern hat.
In der öffentlichen Gesundheit hat sich MSM als Sammelbegriff durchgesetzt, weil Studien zu sexuell übertragbaren Infektionen sich am tatsächlichen Verhalten orientieren müssen, nicht an Selbstbezeichnungen, die von Land zu Land und Kultur zu Kultur variieren. Das erleichtert internationale Vergleiche etwa bei HIV-Präventionsprogrammen.
Zugleich steht der Begriff seit Jahren in der Kritik: Er reduziert komplexe Identitäten auf ein einzelnes Verhaltensmerkmal und kann in der medizinischen Praxis dazu führen, dass queere Männer vor allem als Risikogruppe wahrgenommen werden statt als Menschen mit eigener Lebensrealität. Manche Fachleute schlagen deshalb differenziertere Begriffe vor, die Verhalten und Identität stärker trennen.