Wer berät beim Coming-out, bei Geschlechtsidentität, Rechtsfragen, Gewalt oder HIV? Ein Überblick über Anlaufstellen in Deutschland, mit Telefonnummern, Webadressen und Hinweisen, was dich dort erwartet.
Du hast eine Frage zum Coming-out, machst dir Sorgen um dein Kind oder hast etwas erlebt, über das du sprechen willst. Dann hilft es, zu wissen, wer zuhören kann und was dort passiert. Dieser Text stellt Stellen vor, die in Deutschland beraten oder helfen. Er setzt kein Vorwissen voraus. Fachbegriffe erklären wir beim ersten Auftreten. Alle Angaben sind auf dem Stand Oktober 2026; Telefonzeiten ändern sich, prüfe sie auf den genannten Seiten.
Zuerst: Du musst dich nicht erklären
Die meisten Beratungsstellen sind darauf eingestellt, dass Menschen ohne Wissen und ohne fertige Fragen anrufen. Du musst nicht „queer“ sein, um dort zu fragen. Queer ist ein Sammelbegriff für Menschen, die nicht heterosexuell sind oder sich nicht mit dem Geschlecht identifizieren, das ihnen bei der Geburt zugewiesen wurde (Glossar: queer). Auch wenn du nur wissen willst, wie du ein Gespräch beginnst, bist du richtig.
Wenn es um ein Coming-out geht
Ein Coming-out ist der Moment, in dem ein Mensch anderen sagt, dass er schwul, lesbisch, bi oder trans ist. Für Jugendliche und für Eltern kann er viele Fragen auslösen.
Die „Nummer gegen Kummer“ bietet dafür zwei kostenlose, anonyme Angebote. Das Kinder- und Jugendtelefon erreichst du unter 116 111, montags bis samstags von 14 bis 20 Uhr; samstags nehmen Jugendliche die Anrufe entgegen. Eltern erreichen das Elterntelefon unter 0800 111 0550, montags, mittwochs und freitags von 9 bis 17 Uhr, dienstags und donnerstags von 9 bis 19 Uhr. Online kannst du jederzeit schreiben und bekommst nach Angaben der Organisation innerhalb von zwei Tagen eine Antwort (nummergegenkummer.de).
Ein Outing gegen den eigenen Willen, also wenn jemand anderes ohne Erlaubnis von deiner Orientierung erzählt, ist etwas anderes (Glossar: Outing). Wenn du als Elternteil oder Freund:in etwas erfährst, behalte es erst für dich, bis die Person sagt, wer es wissen darf.
Wenn es um Geschlechtsidentität geht
Die Geschlechtsidentität beschreibt, als welches Geschlecht sich jemand empfindet. Bei trans Personen stimmt sie nicht mit dem überein, was bei der Geburt eingetragen wurde.
Der Bundesverband Trans* (bundesverband-trans.de) vertritt die Interessen von trans*, nicht-binären und weiteren geschlechtlich vielfältigen Menschen. Auf der Seite findest du Broschüren, Leitfäden und Musterschreiben, Videos in mehreren Sprachen und einen Veranstaltungskalender. Für Eltern von trans, inter und nicht-binären Kindern gibt es einen Austausch unter Betroffenen. Die Seite beschreibt Beratungsarbeit als einen Arbeitsbereich, nennt aber keine eigene Beratungsstellen-Suche; für ein persönliches Gespräch suchst du lokal.
Wenn es um Recht geht
Der LSVD⁺ – Verband Queere Vielfalt (lsvd.de) hat auf seiner Seite einen Rechtsbereich mit Ratgebern zu Ehe, eingetragener Lebenspartnerschaft, Diskriminierung nach dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz (AGG), Mietrecht, Adoption und Erbfragen. Auch zu Asyl für queere Geflüchtete gibt es dort einen Leitfaden. Der Verband setzt sich auch für Regenbogenfamilien ein, also Familien mit queeren Eltern, und hat einen Leitfaden zur Stiefkindadoption in lesbischen Regenbogenfamilien. In den Bundesländern gibt es Landesverbände, die vor Ort unterstützen. Telefonisch erreichst du die Bundesgeschäftsstelle in Köln unter 0221 925 961 0.
Rechtliche Auskünfte ersetzen keine Beratung durch eine Anwältin oder einen Anwalt. Sie helfen dir aber, deine Frage zu sortieren, bevor du dort hingehst.
Wenn dir Gewalt angetan wurde
MANEO ist ein schwules Anti-Gewalt-Projekt in Berlin, seit 1990 Teil von Mann-O-Meter e.V. Du kannst dort Übergriffe online melden, es gibt Formulare für Männer, Frauen und diverse Personen, und die Meldung ist auch aus anderen Bundesländern möglich. Zum Angebot gehören psychosoziale Opferberatung und Hinweise für Betroffene, etwa nach sexuellen Übergriffen. Für Geflüchtete betreibt MANEO zwei Teestuben in Schöneberg und Moabit. Das „Schwule Überfalltelefon“ erreichst du unter 030 216 33 36, täglich von 17 bis 19 Uhr.
Bei akuter Gefahr rufst du die 110.
Wenn es um HIV und sexuelle Gesundheit geht
Die Deutsche Aidshilfe und ihre regionalen Aidshilfen beraten anonym zu HIV und anderen sexuell übertragbaren Infektionen. Eine E-Mail- und Chat-Beratung läuft über aidshilfe-beratung.de. Wenn du lieber vor Ort jemanden sprechen willst, helfen die regionalen Aidshilfen, die du über die Seite der Deutschen Aidshilfe findest.
So findest du die richtige Stelle
Überlege vorher kurz, worum es geht: Gesprächsbedarf, Rechtsfrage, Gewalt oder Gesundheit. Dann weißt du, welche der Stellen oben passt. Wer sich unsicher ist, beginnt mit der Nummer gegen Kummer. Dort musst du dein Anliegen nicht sortiert mitbringen. Du darfst auch wechseln. Wenn eine Beratung nicht zu dir passt, ist das kein Fehler von dir, und die nächste Stelle kann besser passen.
Häufige Fragen
Quellen
- nummergegenkummer.de
- maneo.de
- lsvd.de
- bundesverband-trans.de
- aidshilfe.de · weitere-informationen-adressen-beratung
Zuletzt geprüft: 23. Oktober 2026