LSVD+ und Campact fordern von Bundesjustizministerin Hubig eine längst angekündigte Reform des Abstammungsrechts. Kinder von Frauenpaaren oder nicht-binären Eltern müssen ihre Elternschaft bislang per Adoption absichern.
Bild: KI-generiert (Higgsfield) · Illustration
Eine gemeinsame Petition des Verbands LSVD+ und der Organisation Campact hat innerhalb eines Monats rund 120.500 Unterschriften gesammelt. Sie richtet sich an die Bundesregierung, insbesondere an Bundesjustizministerin Stefanie Hubig (SPD), und fordert die längst angekündigte Reform des Abstammungsrechts. Als nächstes Etappenziel hat die Kampagne 200.000 Unterschriften ausgegeben.
Im Zentrum der Kritik steht die rechtliche Ungleichbehandlung von Kindern queerer Familien. Während Kinder heterosexueller Paare von Geburt an automatisch zwei rechtliche Elternteile haben, müssen Kinder von Frauenpaaren oder nicht-binären Eltern den zweiten Elternteil bislang über ein Adoptionsverfahren rechtlich absichern lassen. „Ein Kind darf nicht wegen des Geschlechts seiner Eltern diskriminiert werden", fordert der LSVD+ eine Gleichstellung.
Die fehlende automatische Elternschaft hat handfeste Folgen im Alltag: Sie betrifft die Entscheidungsgewalt bei medizinischen Eingriffen, die Anmeldung in Kita oder Schule, Unterhaltsansprüche und Verwandtschaftsverhältnisse. Stirbt der gebärende Elternteil, bevor das Adoptionsverfahren abgeschlossen ist, kann ein Kind im Zweifel zeitweise ganz ohne rechtlich anerkannte Eltern dastehen.
Die Debatte um eine Reform zieht sich bereits seit Jahren hin. Nach Angaben der Initiative haben inzwischen sieben verschiedene Gerichte die geltende Rechtslage als verfassungswidrig eingestuft, eine abschließende Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts steht jedoch seit mehr als fünf Jahren aus. LSVD+ und Campact werten die aktuelle Petition als Versuch, die seit Langem angekündigte, aber bislang nicht umgesetzte Reform endlich auf die politische Agenda zu bringen.
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