CDU-Fraktionschef Jens Spahn (46) und sein Ehemann Daniel Funke (44) sind am 15. Juli über eine Leihmutter in den USA Väter eines Sohnes geworden. In Deutschland ist die Vermittlung von Leihmutterschaften nach dem Embryonenschutzgesetz verboten – Spahn selbst hatte sich öffentlich gegen „gemietete Bäuche" ausgesprochen, sowohl als schwuler Mann als auch als Christ, wie er dem Magazin GQ sagte.
Aus der eigenen Partei kommt scharfe Kritik. Marion Rosin, Schatzmeisterin der Frauen Union, fordert Spahns Rücktritt: Wer das Verbot über ausländische Umwege umgehe, missachte den Geist des Gesetzes. Hubert Hüppe, Vorsitzender der Senioren-Union, nannte es gegenüber dem Focus problematisch, wenn Politiker mit Geld und Position Regeln umgingen, die für andere gelten. Der grüne Gesundheitspolitiker Janosch Dahmen sprach von Doppelmoral: Wer Liberalisierungen im Inland ablehne, aber im Ausland davon profitiere, müsse erklären, warum für ihn Ausnahmen gelten sollten.
Auch von rechts und aus feministischen Kreisen hagelt es Kritik, teils mit fragwürdigen Behauptungen: Nius-Redakteur Alexander Kissler unterstellte, Leihmütter kämen „oft aus prekären Verhältnissen" und würden wegen ihrer Armut ausgenutzt. Studien zeichnen ein anderes Bild: US-Leihmütter sind laut Untersuchungen finanziell stabil, verdienen im Schnitt 45.000 bis über 75.000 US-Dollar zusätzlich und haben ein überdurchschnittliches Haushaltseinkommen. Eine Langzeitstudie der Universität Cambridge fand zudem keine erhöhte psychische Belastung bei Kindern aus Leihmutterschaften gegenüber leiblichen Kindern.
Die CDU selbst hält an ihrem Parteitagsbeschluss vom Februar fest, der das deutsche Leihmutterschaftsverbot bestätigt. Spahn ist nicht der einzige Unionspolitiker mit ähnlichem Weg: Auch Hendrik Streeck wurde im April 2026 über eine US-Leihmutter Vater. Eine Leihmutterschaft in den USA kostet zwischen 100.000 und 250.000 Dollar.
Verwandte Artikel
Judoka Timo Cavelius spricht offen über sein Coming-out
Der deutsche Judo-Olympionike Timo Cavelius erzählt, warum er sich 2020 öffentlich outete und wie sein Team reagierte. Für Los Angeles 2028 hat er sich neue sportliche Ziele gesetzt.
13-Jährige in Hessen wegen Regenbogen-Accessoires attackiert
Drei Jugendliche haben ein 13-jähriges Mädchen am Bahnhof Neu-Anspach wegen seines Regenbogenarmbands beleidigt und geschlagen. Der Staatsschutz ermittelt, die Polizei bittet um Hinweise.
Berliner Senat unterstützt Verschärfung des Selbstbestimmungsgesetzes
Der Berliner Senat unterstützt einen Vorstoß von Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen, das Selbstbestimmungsgesetz um einen Prüfmechanismus bei Missbrauchsverdacht zu ergänzen. Die Grünen werfen der Koalition einen Kurswechsel vor, Fachverbände warnen vor einem Generalverdacht gegen trans Personen.