Beim Verlassen eines Eisladens in Guadalajara ist Benjamín Medrano Quezada am 7. Juli erschossen worden – mit 59 Jahren einer der bekanntesten offen schwulen Kommunalpolitiker Mexikos. Laut mexikanischen Medienberichten feuerte der Täter mehrfach ins Gesicht des früheren Bürgermeisters und flüchtete auf einem Motorrad; ein anderer Bericht spricht von zwei Angreifern. Ein Motiv ist nicht bekannt. Verdächtige wurden bislang nicht genannt.
Medrano Quezada regierte die Stadt Fresnillo im Bundesstaat Zacatecas von 2013 bis 2015, saß danach für den ersten Wahlbezirk des Bundesstaats im mexikanischen Kongress und war zugleich als Sänger und Betreiber einer Gay-Bar bekannt. 2022 wurde ihm Veruntreuung von mehr als 60 Millionen Pesos – umgerechnet rund 3,4 Millionen Dollar – als Vorsitzender des Kuratoriums der Nationalmesse von Zacatecas vorgeworfen. Weil er zu einer Anhörung nicht erschien, erging ein Haftbefehl gegen ihn; ein Richter soll diesen laut Staatsanwaltschaft Zacatecas jedoch bereits 2025 aufgehoben haben. Seine Familie sieht in den Vorwürfen einen politisch motivierten Angriff.
Die Stadtverwaltung Fresnillo würdigte ihn in einer Erklärung und sprach den Angehörigen ihr Beileid aus.
Politisch war Medrano Quezada eine widersprüchliche Figur: Der praktizierende Katholik lehnte die Ehe für gleichgeschlechtliche Paare und ein Adoptionsrecht für sie ab. »Unsere Eigenheiten lassen das nicht zu«, sagte er 2013 der Zeitung El Universal, »weil wir dafür nicht bereit sind. Nicht weil uns die Fähigkeit dazu fehlt, aber wir können auch nicht gegen Lehren und Gebräuche verstoßen.« Schwule Menschen betrachte er nicht als schutzbedürftig, da sie »in ganz unterschiedlichen Berufen sehr produktiv« seien; wer sich verstecke, richte den größten Schaden an der Gesellschaft an, so seine Position.
Der Mord reiht sich in eine Serie gewaltsamer Angriffe auf queere Personen in Mexiko ein und wirft angesichts seiner offenen, aber widersprüchlichen öffentlichen Rolle ein Schlaglicht auf die Situation queerer Politiker in dem Land.
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