Vor dem britischen Privy Council in London hat die Anhörung in einem Verfahren begonnen, das über die Rechte queerer Menschen in weiten Teilen des Commonwealth entscheiden könnte. Verhandelt wird die Klage des LGBTIQ+-Aktivisten Jason Jones gegen den "Sexual Offences Act" von Trinidad und Tobago aus dem Jahr 1986, der auf dem britischen "Buggery Law" von 1533 basiert und gleichgeschlechtliche Intimität unter Strafe stellt.
Jones kämpft seit 2015 gegen das Gesetz. 2018 erklärte der trinidadische Richter Devindra Rampersad die entsprechenden Passagen für verfassungswidrig und hob sie auf – ein Erfolg, der jedoch nicht von Dauer war. 2025 kassierte ein höheres Gericht das Urteil und stellte die Strafbarkeit wieder her. Jones' Anwalt Hulmes argumentiert vor dem Privy Council, das Gesetz von 1986 sei kein bloßes Fortschreiben alten Kolonialrechts gewesen, sondern eine eigenständige Neuregelung mit verschärften Strafen und veränderten Definitionen – ein Detail, das juristisch entscheidend sein könnte.
"Das britische Buggery Law wurde 1533 erlassen, unter Heinrich VIII.", sagte Jones. "Wir sind die letzten Menschen im Commonwealth, die deswegen noch immer kriminalisiert werden." Der Privy Council fungiert für Trinidad und Tobago als letzte Berufungsinstanz und ist damit zugleich für zahlreiche andere ehemalige britische Kolonien richtungsweisend.
Ein Urteil wird für September 2026 erwartet. Beobachter sprechen von einem historischen Verfahren: Es ist das erste seiner Art, in dem der Privy Council direkt über die Entkriminalisierung gleichgeschlechtlicher Beziehungen verhandelt. Nach Einschätzung von Aktivisten könnte die Entscheidung Signalwirkung für Millionen queere Menschen in ehemaligen britischen Kolonien haben, in denen ähnliche Gesetze noch immer gelten.