Das Landgericht Berlin hat einen 18-Jährigen verurteilt, der mit falschen Grindr-Profilen schwule Männer in die Falle lockte. Es ist das zweite Urteil in einer solchen Serie binnen weniger Monate.
Bild: KI-generiert · Illustration
Das Landgericht Berlin hat einen 18-Jährigen zu sechs Jahren Jugendstrafe ohne Bewährung verurteilt. Er wurde als Heranwachsender behandelt und wegen räuberischer Erpressung, gefährlicher Körperverletzung und erpresserischen Menschenraubs schuldig gesprochen. Behörden hatten ihn schon vor diesen Taten als jugendlichen Intensivtäter geführt. Das berichtet queer.de.
Der Mann hatte mit falschen Profilen auf der Dating-App Grindr schwule Männer in deren Wohnungen gelockt. Dort ließ er bewaffnete Komplizen hinein, die die Opfer bedrohten, ausraubten und einschüchterten. Sein Anwalt hatte zu Prozessbeginn erklärt, der Angeklagte räume die Beteiligung an sechs von sieben Taten der Serie ein. Die Täter erbeuteten rund 1.600 Euro Bargeld sowie Handys und andere Gegenstände im Wert von etwa 8.000 Euro.
Eines der Opfer ist der Berliner Musiker Leopold. Im Mai wurde er mehrere Stunden in seiner Wohnung festgehalten, bedroht, in Unterwäsche gefilmt und queerfeindlich beschimpft. Er machte den Überfall in sozialen Medien öffentlich, um andere zu warnen. Die gezielte Demütigung queerer Menschen sei ein Motiv gewesen, sagte er. Ein Opfer erkannte den Täter auf Polizeifotos wieder, Anfang Juni wurde er festgenommen.
Es ist das zweite derartige Urteil innerhalb weniger Monate. Im Juni hatte der damals 20-jährige Daniel F. fünf Jahre Jugendstrafe für eine Serie von sieben Überfällen erhalten. Laut dem Berliner Queerbeauftragten Alfonso Pantisano (SPD) ist dieses Urteil inzwischen rechtskräftig: Der Bundesgerichtshof wies die Revision am 6. Oktober zurück. Pantisano begrüßte die Entscheidungen als konsequent. Die Betroffenen würden sich womöglich nie wieder sicher fühlen, wenn sie sich zu einem Date verabreden, und einige litten unter Albträumen.
Verwandte Artikel
Indien: Queerer Influencer Mad Sandhu in Amritsar erschossen
Madhusudan Sandhu, queerer Make-up-Artist mit 226.000 Instagram-Followern, wurde am 3. Oktober in Amritsar erschossen. Die Polizei geht von einem möglicherweise geplanten Angriff aus.
Bremen: Zehnköpfige Gruppe greift schwules Paar nach Einheitsfeier an
Am Rande der Feiern zum Tag der Deutschen Einheit haben etwa zehn Personen in Bremen ein Männerpaar beleidigt und geschlagen. Der Staatsschutz ermittelt wegen verhetzender Beleidigung und gefährlicher Körperverletzung.
Italien: 17-Jähriger aus der Neonazi-Szene soll Anschläge auf queere Menschen geplant haben
In der Provinz Trient hat die Polizei einen 17-jährigen Neonazi wegen Terrorverdachts festgenommen. Zu seinen möglichen Opfern zählten laut Ermittlern ausdrücklich queere Menschen. Die Tat stand nach Polizeiangaben unmittelbar bevor.