Ein Regelentwurf der US-Volkszählungsbehörde sieht eine verpflichtende Frage zum biologischen Geschlecht vor und streicht zugleich Fragen zu Ethnizität und sexueller Orientierung. Kritiker:innen warnen vor Zwangsouting.
Bild: KI-generiert · Illustration
Die US-Volkszählungsbehörde hat einen Regelentwurf für die Zählung 2030 veröffentlicht, der Fragen zu Rasse, Ethnizität und sexueller Orientierung aus dem Kurzfragebogen streichen würde. Im Gegenzug soll eine Frage zum biologischen Geschlecht verpflichtend werden, ebenso Angaben zu Geburtsdatum und Haushaltsbeziehungen - offiziell zur Überprüfung der Bevölkerungszählung.
Für trans Menschen ergibt sich daraus ein Dilemma mit drei Optionen: das bei der Geburt zugewiesene Geschlecht angeben, eine falsche Angabe machen oder die Frage verweigern. Wer eine Pflichtfrage verweigert, riskiert nach geltendem Recht eine Geldstrafe von bis zu 100 US-Dollar, eine bewusst falsche Angabe kann mit bis zu 500 US-Dollar geahndet werden - eine Zwangslage, die es in dieser Form bei der Zählung 2020 nicht gab.
Das US-Magazin The Needle kritisierte den Entwurf scharf und sprach von dem Versuch, die Volkszählung zu instrumentalisieren, um eine Liste aller trans Menschen in den USA zu erstellen. Der Regelentwurf sieht zudem vor, Menschen ohne gesicherten Aufenthaltsstatus möglicherweise aus der Berechnung der Sitzverteilung im Kongress herauszurechnen - nach Schätzungen könnten davon rund 14 Millionen Menschen betroffen sein, was tendenziell Städte mit trumpkritischer Wählerschaft schwächen würde.
Die Volkszählungsbehörde nimmt öffentliche Stellungnahmen zu dem Entwurf noch bis zum 13. Oktober 2026 entgegen. Erst danach entscheidet die Regierung, ob die Regeln überarbeitet, final verabschiedet oder wieder verworfen werden. Die Zählung selbst findet turnusgemäß nur alle zehn Jahre statt, weshalb die jetzt festgelegten Fragen bis 2040 bindend blieben.
Verwandte Artikel
Texas: Stadtrat kippt Genehmigung für Pride-Festival ohne Begründung
Der Stadtrat der texanischen Kleinstadt Southlake lehnt die Genehmigung für das Pride-Festival ohne Begründung ab, obwohl dieselbe Veranstaltung im Vorjahr stattfinden durfte.
Sarah McBride bewirbt sich um Kommunikations-Spitzenposten bei den US-Demokraten
Die erste offen transgeschlechtliche Kongressabgeordnete der USA bewirbt sich um den Co-Vorsitz des Kommunikationsgremiums der demokratischen Fraktion im Repräsentantenhaus.
Hessischer Landtag sichert queerer Community bei Regenbogenempfang Unterstützung zu
Beim Regenbogenempfang im Hessischen Landtag sicherte Vizepräsidentin Martina Feldmayer der queeren Community fortgesetzte Unterstützung zu. Ehrengast war Ex-Fußballprofi Marcus Urban, der über Homosexualität im Profifußball sprach.