Pierre Seel wurde am 16. August 1923 in Haguenau im Elsass geboren und starb am 25. November 2005 in Toulouse. Er war ein französischer Überlebender der NS-Verfolgung Homosexueller und gehört zu den wenigen Zeitzeugen, die ihre Geschichte öffentlich erzählt haben.
Mit 16 Jahren zeigte Seel einen Diebstahl bei der Polizei an und gab dabei zu, eine Klappe besucht zu haben. Dadurch landete er in der Schwulenkartei der französischen Polizei. Nach der deutschen Besetzung wurde er im Mai 1941 verhaftet und im Sicherungslager Schirmeck-Vorbruck inhaftiert, wo er am Bau des KZ Natzweiler-Struthof mitarbeiten musste. Im November 1941 kam er frei, mit der Auflage zu schweigen. Danach wurde er zur Wehrmacht eingezogen.
Nach dem Krieg lag ein Tabu über seiner Geschichte. Seel heiratete, bekam drei Kinder und zog 1968 nach Toulouse. Erst im April 1982 ging er an die Öffentlichkeit, als ein Bischof Homosexualität als Krankheit bezeichnete; seine Frau reichte danach die Scheidung ein. 1994 erkannte der Staat ihn nach rund vier Jahren Bemühen als Deportierten an. Im selben Jahr erschien mit Jean Le Bitoux seine Autobiografie „Moi, Pierre Seel, déporté homosexuel“, die deutsche Ausgabe folgte 1996 als „Ich, Pierre Seel, deportiert und vergessen“. 2008 wurde in Toulouse eine Straße nach ihm benannt, 2019 eine in Paris.