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Politischer Lesbianismus

Buchstabe P 60 Begriffe

Politischer Lesbianismus bezeichnet eine Position der radikalfeministischen Bewegung, nach der sich Frauen aus politischen Gründen gegen Beziehungen zu Männern und für Beziehungen zu Frauen entscheiden, unabhängig von ihrer sexuellen Anziehung. Geprägt wurde der Begriff 1979 von der Leeds Revolutionary Feminist Group, die ihn in der Streitschrift „Love Your Enemy? The Debate Between Heterosexual Feminism and Political Lesbianism“ ausformulierte.

Im Zentrum steht die Idee der „woman-identified woman“, die sich, so eine vielzitierte Definition der Bewegung, nicht mit Männern einlässt. Anders als bei sexueller Orientierung geht es nicht um Begehren, sondern um eine bewusste politische Entscheidung: Heterosexualität wird als Baustein patriarchaler Herrschaft verstanden, dem sich Frauen durch den Rückzug aus Beziehungen zu Männern entziehen können. Die US-amerikanische Feministin Ti-Grace Atkinson brachte diese Haltung mit dem Satz „Feminismus ist die Theorie, Lesbianismus die Praxis“ auf den Punkt.

Das Konzept war und ist umstritten: Kritikerinnen werfen ihm vor, sexuelle Orientierung zu instrumentalisieren und die Erfahrungen lesbischer Frauen, für die es keine politische Wahl ist, zu überdecken. Vom verwandten Begriff der erzwungenen Heterosexualität unterscheidet er sich dadurch, dass er nicht den gesellschaftlichen Zwang beschreibt, sondern die bewusste Gegenstrategie dazu.

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