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Reading (Ballroom-Kultur)

„Reading“ bezeichnet in der Ballroom-Kultur eine Kunstform der pointierten, oft sehr persönlichen verbalen Kritik: Eine Schwäche, Eigenart oder ein vermeintlicher Makel der Gegenüber wird treffend und witzig auf den Punkt gebracht, ohne dass daraus reale Feindseligkeit entsteht. Der Begriff und die dazugehörige Praxis wurden vor allem durch den Dokumentarfilm „Paris Is Burning“ (1990) einem breiteren Publikum bekannt, der die New Yorker Ballroom-Szene der 1980er-Jahre porträtiert. Von „Shade“, einem eng verwandten Begriff aus derselben Szene, unterscheidet sich Reading durch seinen spielerischeren Charakter: Während Shade eher als subtiler, manchmal beißender Seitenhieb verstanden wird, ist Reading eine offen ausgetragene, meist im gegenseitigen Einverständnis stattfindende verbale Kabbelei, bei der beide Seiten den Schlagabtausch als Wortwitz und Unterhaltung begreifen. In der Ballroom-Kultur, die maßgeblich von Schwarzen und lateinamerikanischen queeren Menschen sowie Trans-Personen geprägt wurde, gilt gutes Reading als eigenständige soziale Fähigkeit und Ausdruck von Schlagfertigkeit. Über Formate wie „RuPaul's Drag Race“ ist der Begriff inzwischen auch außerhalb der Ballroom-Szene bekannt geworden.

Verwandte Begriffe

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