WSW steht für „Frauen, die Sex mit Frauen haben“ und ist das weibliche Gegenstück zum Begriff MSM. Wie dieser beschreibt WSW sexuelles Verhalten und nicht sexuelle Identität: Eine Frau kann sich als heterosexuell, bisexuell, lesbisch oder anders verstehen und trotzdem unter diese Kategorie fallen, sobald sie gleichgeschlechtlichen Sex hat.
In der öffentlichen Gesundheit wird der Begriff seltener verwendet als MSM, weil das epidemiologische Risikoprofil für sexuell übertragbare Infektionen zwischen Frauen historisch als geringer eingeschätzt wurde und entsprechend weniger beforscht ist. Fachleute kritisieren diese Forschungslücke zunehmend: Sie führe dazu, dass spezifische Gesundheitsrisiken von WSW – etwa bei bakterieller Vaginose oder HPV-Übertragung – in Vorsorge und Aufklärung häufig zu wenig Beachtung finden, weil Ärzt:innen automatisch von heterosexuellen Patientinnen ausgehen.
Wie bei MSM steht auch WSW in der Kritik, komplexe Identitäten auf ein einzelnes Verhaltensmerkmal zu reduzieren. Der Begriff bleibt dennoch in Studien und Aufklärungsmaterialien gebräuchlich, weil er unabhängig von Selbstbezeichnungen eine klar abgrenzbare Gruppe für medizinische Forschung beschreibt.