Bild: KI-generiert (Higgsfield) · Illustration
Nachdem das Bundesfamilienministerium unter Karin Prien (CDU) angekündigt hatte, die Förderung des Jugendnetzwerk Lambda e.V. zu streichen, formiert sich breiter Widerstand: 198 Organisationen haben einen offenen Brief unterzeichnet, der sich für den Erhalt des Verbands einsetzt. Zu den Unterzeichnenden zählen Jugendverbände, Landesjugendringe, Wohlfahrtsverbände und weitere zivilgesellschaftliche Gruppen.
Das Jugendnetzwerk Lambda, seit 1990 aktiv, ist einer der ältesten bundesweiten Zusammenschlüsse queerer Jugendlicher und junger Erwachsener in Deutschland. Ohne die Rahmenförderung des Ministeriums droht dem Verein zum Jahresende das Aus. Prien begründete die Streichung mit der "erforderlichen Haushaltskonsolidierung".
Der Bundesvorstand von Lambda sieht in der breiten Solidarität ein Signal, das über den eigenen Verband hinausreicht: "Die große Unterstützung zeigt, dass es hier nicht allein um das Jugendnetzwerk Lambda geht." Seit Bekanntwerden der Kürzung seien mehr als 600 neue Mitgliedschaftsanträge eingegangen. Eine mögliche Projektförderung wurde zwar in Aussicht gestellt, eine verbindliche Zusage gibt es aber bislang nicht. Der Vorstand betont, dass befristete Projektmittel eine verlässliche Grundfinanzierung nicht ersetzen können, weil Jugendverbandsarbeit anders als einzelne Projekte auf Kontinuität angewiesen ist: feste Ansprechpersonen, langfristige Angebote und Vertrauen, das über Jahre aufgebaut wird.
Der Streit zeigt, wie unmittelbar die Arbeit queerer Jugendverbände in Deutschland von einzelnen Etat-Entscheidungen abhängt – und wie schnell über Jahrzehnte gewachsene Strukturen wegbrechen können, wenn eine einzelne Förderlinie entfällt.
Verwandte Artikel
Justizministerin Hubig will Grundgesetz um Schutz vor Diskriminierung wegen sexueller Identität ergänzen
Nach dem islamistischen Anschlag beim Berliner Christopher Street Day fordert Bundesjustizministerin Stefanie Hubig, Artikel 3 des Grundgesetzes um ein Diskriminierungsverbot wegen sexueller Identität zu ergänzen.
Ermittlungen gegen mutmaßlichen CSD-Attentäter Abdul Ballout eingestellt
Nach dem Tod des Hauptverdächtigen im Anschlag auf den Berliner CSD stellt die Bundesanwaltschaft das Verfahren gegen ihn formal ein. Ob er Mittäter*innen hatte, wird weiter geprüft.
Jede fünfte junge Person in Deutschland ist queer, doch die Generation schrumpft
Neue Destatis-Zahlen zeigen: 22 Prozent der Generation Z in Deutschland identifizieren sich als LGBTIQ+ – ein Höchststand. Gleichzeitig ist die Altersgruppe der 15- bis 24-Jährigen so klein wie seit den frühen 2020er Jahren nicht mehr.