In Kamerun geben immer mehr Aktivist*innen der LGBTIQ+-Szene ihre Arbeit auf oder verlassen das Land. Nach Angaben von Community-Vertreter*innen sind rund zehn Aktivist*innen inzwischen nach Europa oder in die USA geflohen, etwa zwanzig weitere haben ihre Tätigkeit in Yaoundé, Douala und Bertoua eingestellt. Grund sind sowohl direkte Repression als auch eine zunehmende Finanzierungskrise.
Weil das Land gleichgeschlechtliche Handlungen mit bis zu fünf Jahren Haft bestraft, gerieten zuletzt mehrere Organisationen ins Visier von Polizeirazzien: Alternatives-Cameroon, die in Douala rund 1.800 HIV-positive Menschen versorgte, musste nach einer Razzia schließen. Auch Transigeance in Yaoundé stellte mangels Mitteln den Betrieb ein, die Association of Young People of the West in Bafoussam löste sich vollständig auf.
Hinzu kommt ein internationaler Rückgang der Förderung: Humanitäre Hilfe für die Region Subsahara-Afrika sank 2025 gegenüber dem Vorjahr um rund 42 Prozent, Frankreich kürzte seine Entwicklungshilfe zwischen 2024 und 2025 um etwa 1,7 Milliarden Dollar. Organisationen können dadurch weder Workshops noch Rechtsberatung oder Schutzräume aufrechterhalten. „Wir haben wichtige Personen verloren … heute fühlen sich junge Aktivist*innen allein und verloren“, beschreibt der Douala-Community-Vertreter Lobe die Lage. Eko aus Yaoundé formuliert es drastischer: „Die Förderer ziehen sich langsam zurück … die Community stirbt still.“
Verbliebene Gruppen setzen nun auf den Aufbau neuer, jüngerer Führungsstrukturen, breiter gestreute Finanzierung etwa über Unternehmenspartnerschaften und Crowdfunding sowie dauerhafte, sichere Gemeinschaftszentren und stärkere regionale Vernetzung.
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