In der Nacht zum 12. August 2026 hatte der 25-jährige Paul Gérard einen langjährigen Freund zu sich nach Hause eingeladen, in den Stadtteil Logpom in Douala, Kamerun. Am nächsten Morgen wurde er tot in seinem Bett gefunden – geschlagen und erwürgt, wie eine gerichtsmedizinische Untersuchung ergab.
Überwachungsaufnahmen zeigen, wie der als Hauptverdächtiger geführte 33-jährige Liam Karl die Wohnung gegen sechs Uhr morgens verlässt. Anschließend soll er persönliche Gegenstände des Opfers mitgenommen und seine Social-Media-Konten deaktiviert haben. Bislang ist er flüchtig. Für Hinweise, die zu seiner Festnahme führen, setzte eine queere Organisation umgerechnet rund 1.500 Euro aus.
Die Reaktionen im Land fielen gespalten aus: Neben Trauerbekundungen kursierten in sozialen Netzwerken auch offen homophobe Kommentare über den Tod. Eine lückenlose Aufklärung des Falls forderte der Menschenrechtsverteidiger Ebenezer Munkan, der Behörden und Staatsanwaltschaft daran erinnerte, dass Paul Gérard Gerechtigkeit verdiene.
Der Fall reiht sich in eine Situation ein, die Menschenrechtsorganisationen seit Jahren kritisieren: Nach Artikel 347-1 des kamerunischen Strafgesetzbuchs sind gleichgeschlechtliche Beziehungen im Land seit einem Jahrzehnt strafbar, was nach Einschätzung von Aktivist:innen Stigmatisierung, Gewalt und Straflosigkeit gegenüber queeren Menschen begünstigt.
Verwandte Artikel
Mutmaßliches Hassverbrechen: Schwules Ehepaar in Denver bei Straßenverkehrsstreit angeschossen
Ein Mann soll bei einem Streit im Straßenverkehr mit homophoben Beleidigungen auf ein schwules Ehepaar geschossen haben. Die Polizei klagt ihn wegen dreifachen versuchten Mordes an.
141 Organisationen warnen Frankreich vor eigener UN-Resolution gegen Homosexualitäts-Gesetze
Frankreich plant im UN-Menschenrechtsrat eine Resolution gegen Kriminalisierungsgesetze für gleichgeschlechtliche Beziehungen. 141 Organisationen aus betroffenen Ländern warnen: Die Initiative könnte lokale Aktivist:innen gefährden.
Senegal: 28 wegen Homosexualität Angeklagte freigelassen – Staatsanwaltschaft legt Berufung ein
Ein Gericht in Senegal hat 28 von 99 wegen homosexueller Handlungen angeklagten Männern die Anklage fallengelassen. Die Staatsanwaltschaft legte Berufung ein, die übrigen 71 bleiben angeklagt – seit April 2026 drohen in Senegal bis zu zehn Jahre Haft.