Der russische Politiker Witali Milonow behauptet, Antidepressiva führten zu Suizid, Alkoholismus und Homosexualität. Eine Grundlage nennt er nicht. Der Konsum der Medikamente ist in Russland seit Kriegsbeginn gestiegen.
Bild: KI-generiert · Illustration
Der russische Duma-Abgeordnete Witali Milonow hat in einem Interview mit dem staatlichen Portal Gazeta.ru behauptet, Antidepressiva könnten Homosexualität, Alkoholismus und Suizid auslösen. Wörtlich sagte der 52-Jährige: „Die Leute haben sich den amerikanischen Dreck reingezogen und fressen alle möglichen Antidepressiva.“ Die Folgen seien „Selbstmord, Alkoholismus und Homosexualität“. Einen Beleg für den behaupteten Zusammenhang nannte er nicht; Homosexualität ist keine Krankheit und lässt sich nicht durch Medikamente auslösen.
Milonow will nach eigener Aussage erreichen, dass die Mittel seltener verschrieben werden. Er sitzt seit 2016 für die Regierungspartei Einiges Russland in der Staatsduma und gilt als einer der Initiatoren des Gesetzes gegen sogenannte „Homo-Propaganda“ von 2013. Immer wieder fiel er mit queerfeindlichen Äußerungen auf: 2021 schlug er auf TikTok vor, Schwule wie streunende Katzen zu sterilisieren.
Der Hintergrund seiner Aussage ist ein Anstieg beim Verbrauch von Antidepressiva in Russland. Er hat nach Berichten seit Beginn des Krieges in der Ukraine deutlich zugenommen. Die Behörden führen das auf bessere Diagnostik und leichter zugängliche Hilfe zurück und bestreiten einen Zusammenhang mit dem Krieg. Fachleute sehen darin dagegen eine Folge gesellschaftlicher und psychischer Belastungen. Zehntausende Soldaten und ihre Familien benötigen demnach nach dem Einsatz psychologische Betreuung, auf die das ohnehin schwache Gesundheitssystem nicht vorbereitet sei. Es kommt zu Engpässen.
Der Beitrag ordnet die Aussage als weiteres Beispiel für Milonows queerfeindliche Rhetorik ein. Eine Reaktion von Medizinern oder Behörden auf die Behauptung nennt er nicht.
Verwandte Artikel
Berlin: Polizei sucht mit Fotos zwei mutmaßlich homophobe Schläger vom U-Bahnhof Alt-Mariendorf
Ein Jahr nach einem Angriff auf einen 30-Jährigen am U-Bahnhof Alt-Mariendorf veröffentlicht die Berliner Polizei Bilder einer Überwachungskamera. Zwei Männer sollen den Mann homophob beleidigt und verletzt haben.
Homophobe Beleidigungen gegen Héctor Bellerín: Spaniens Staatsanwaltschaft ermittelt
Ein Fußball-YouTuber hatte Betis-Verteidiger Héctor Bellerín als „verdeckten Schwulen“ beschimpft. Die Provinzstaatsanwaltschaft Madrid prüft nun, ob die Äußerungen strafbar sind.
Russland verurteilt Aktivisten Jaroslaw Sirotkin in Abwesenheit zu vier Jahren Straflager
Ein Gericht in Jaroslawl hat den im französischen Exil lebenden LGBTIQ+-Aktivisten Jaroslaw Sirotkin wegen Verstößen gegen die Auflagen für „ausländische Agenten“ und Beteiligung an einer „extremistischen Organisation“ verurteilt.