Die türkische Regierung lässt das unabhängige Onlinemedium T24 sperren. Begründung: 118 Beiträge mit „LGBT-Propaganda“. Es ist der jüngste Schritt einer Kampagne, die vor gut zwei Wochen mit Razzien in queeren Einrichtungen begann.
Bild: KI-generiert · Illustration
Die türkische Regierung hat die praktische Schließung des unabhängigen Onlinemediums T24 angekündigt. Nach Angaben des Justizministeriums betreibe die Seite „LGBT-Propaganda“. Im Rahmen der Kampagne „Meine Familie ist sicher“ sei festgestellt worden, dass T24 und seine Online-Konten im vergangenen Jahr 118 entsprechende Inhalte erstellt hätten.
Ein Gericht ordnete auf Antrag der Staatsanwaltschaft an, dass Internetprovider den Zugang zum gesamten Medium sperren. Die Begründung: Die Inhalte könnten „die türkische Familienstruktur schwächen“ und die Entwicklung junger Menschen bei sexueller Orientierung und Geschlechtsidentität negativ beeinflussen. Laut der Initiative Engelliweb, die Internetzensur in der Türkei dokumentiert, wurden sowohl die Website als auch der X-Account blockiert, dem rund zwei Millionen Menschen folgen. T24 gilt als eines der größten Onlinemedien des Landes.
T24 selbst führt die Sperre auf eine „Verleumdungskampagne in sozialen Netzwerken“ zurück, in der dem Medium neben „LGBT-Propaganda“ auch eine unklare Finanzierung unterstellt worden sei. In den 17 Jahren seines Bestehens habe das Portal ausschließlich eigene Mittel genutzt, die Finanzen würden regelmäßig geprüft.
Die Kampagne „Meine Familie ist sicher“ wurde vor zweieinhalb Wochen mit Razzien in queeren Bars, Clubs, Büros und Wohnungen von Aktivistinnen und Aktivisten öffentlich. Über 100 Menschen sitzen in Untersuchungshaft, zahlreiche LGBTI-Websites und Social-Media-Konten wurden gesperrt. Justizminister Akın Gürlek verteidigte das Vorgehen als Schutz von Kindern, Familie und sozialer Ordnung. Ermittelt wird offiziell wegen „Vereinigungsgründung zur Begehung einer Straftat“, Prostitution und Obszönität.
Homosexualität ist in der Türkei nicht strafbar. Ein Gesetz, das queere „Propaganda“ mit Freiheitsstrafen belegen würde, wurde in den vergangenen Jahren mehrfach angekündigt, aber nicht verabschiedet. Präsident Erdoğan hatte 2025 zum „Jahr der Familie“ erklärt; inzwischen gilt ein „Jahrzehnt der Familie“ 2026 bis 2035, auf das sich auch der Justizminister berief.
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