In Singapur hat der Inlandsgeheimdienst innerhalb weniger Monate drei Jugendliche festgenommen, die eigenen Angaben zufolge Anschläge auf queere Menschen und andere Gruppen geplant hatten. Die Fälle wurden jetzt gemeinsam öffentlich gemacht und zeigen laut den Behörden ein Muster: Radikalisierung fand in allen drei Fällen weitgehend online statt, über extremistische Propaganda, Gaming-Plattformen und soziale Medien.
Der älteste der drei, der 19-jährige Tan Jun Jie, soll Messerangriffe auf queere Studierende einer ehemaligen Hochschule sowie auf Kadett:innen der Luftwaffe geplant haben. Bereits 2025 war er an gescheiterten Cyberangriffen gegen aus seiner Sicht „abweichende" muslimische Gruppen beteiligt. Ein 14-Jähriger plante nach Angaben der Behörden für die Schulferien im Juni einen Messerangriff auf Mitschüler:innen, den er live streamen und mit einem Treuebekenntnis zum „Islamischen Staat" verbinden wollte, bevor er sich selbst hätte töten wollen. Ein 15-Jähriger orientierte sich an dem Anschlag beim Boston-Marathon 2013, nachdem er zuvor öffentlich in sozialen Netzwerken dem IS die Treue geschworen hatte.
Alle drei wurden nach dem Inlandssicherheitsgesetz (Internal Security Act) festgenommen: Tan Jun Jie im April, der 14-Jährige im Mai, der 15-Jährige bereits im März. Nach Angaben der Sicherheitsbehörden konsumierten alle drei online neben IS-Propaganda auch neonazistisches und antisemitisches Material sowie Inhalte, die Massenerschießungen verherrlichen.
Die Behörden werteten die drei Fälle als Beleg für eine wachsende Sorge: Immer jüngere Menschen radikalisierten sich zunehmend selbstständig über soziale Medien, Gaming-Plattformen und extremistische Online-Inhalte, ohne direkten Kontakt zu bestehenden Netzwerken. Für die queere Community in Singapur, wo einvernehmliche gleichgeschlechtliche Handlungen erst seit 2022 nicht mehr strafbar sind, unterstreichen die Fälle, dass Anfeindungen längst nicht nur von staatlicher Seite drohen.
Verwandte Artikel
Mord an Paul Gérard erschüttert queere Szene in Douala
Der 25-jährige Paul Gérard wurde tot in seiner Wohnung in Douala, Kamerun, aufgefunden, geschlagen und erwürgt. Ein langjähriger Freund gilt als Hauptverdächtiger und ist flüchtig. Der Fall reiht sich in eine Situation ein, in der Homosexualität in Kamerun weiterhin strafbar ist.
Frankfurt: Zwei queerfeindliche Angriffe binnen weniger Stunden
In Frankfurt kam es am Freitagabend innerhalb weniger Stunden zu zwei queerfeindlichen Vorfällen: Erst wurden zwei Gäste aus einem Restaurant an der Kaiserstraße beschimpft und hinausgeworfen, später schlug ein Unbekannter einer 42-jährigen queeren Person mit einer Dose ins Gesicht. Die Polizei ermittelt in beiden Fällen und bittet um Zeugenhinweise.
Trans Frau in Maine erstochen – Ermittlungen laufen
Die 21-jährige Juju Nadeau wurde am 5. August in Portland, Maine, auf einem Fußweg von einem Mann mit dem Fahrrad verfolgt und erstochen. Ob die Tat als Hassverbrechen gilt, ist offen; Medien hatten sie zunächst falsch benannt.