Edythe Eyde tippte 1947 als „Lisa Ben“ neun Ausgaben von „Vice Versa“, heimlich im Büro und mit Durchschlagpapier. LGBTQ Nation erinnert an die Geschichte hinter dem Heft.
Bild: KI-generiert · Illustration
Im Juni 1947 erschien in Los Angeles die erste Ausgabe von „Vice Versa“, laut LGBTQ Nation die erste bekannte lesbische Zeitschrift des Landes. Ihre Schöpferin nannte sie „America's Gayest Magazine“. Geschrieben hat sie Edythe Eyde, damals 26 Jahre alt und Sekretariatsassistentin bei RKO Pictures. Als Autorin zeichnete sie mit dem Pseudonym „Lisa Ben“, einem Anagramm von „lesbian“.
Eyde tippte fast alle Hefte während der Leerlaufzeiten im Büro. Mit Durchschlagpapier machte sie etwa zwölf Kopien pro Ausgabe, verteilte sie an Freundinnen und Gäste von Schwulenbars und verschickte manche per Post. Das Heft war kostenlos und schlicht: blauer Umschlag, keine Anzeigen, keine Fotos, kein Impressum, keine Autorennamen. Anonymität war nötig, weil Sodomiegesetze gleichgeschlechtliche Beziehungen im ganzen Land unter Strafe stellten. Im Februar 1948 erschien die neunte und letzte Ausgabe.
Danach änderte sich Eydes Leben: Nachdem Howard Hughes RKO gekauft hatte, verlor Eyde ihre Stelle und kam in ein überfülltes Schreibbüro (Typing Pool). Später schrieb sie für „The Ladder“, die 1956 von den Daughters of Bilitis gegründete lesbische Zeitschrift, wieder als „Lisa Ben“. Ihr erster Wunschname war von der Redaktion abgelehnt worden. Sie sang in lesbischen Bars und Clubs, zog sich aus der Community zurück und gab nach den frühen 2000er Jahren keine Interviews mehr. 2015 starb sie mit 94 Jahren und wurde auf dem Forest Lawn Memorial Park in Kalifornien beigesetzt.
Die Historikerin Lillian Faderman, emeritierte Professorin an der California State University, Fresno, würdigt Eydes Mut. Auf die Gesetzeslage habe Eyde mit den Worten reagiert: „Ich habe da nichts Schmutziges reingeschrieben.“ Zu ihrer verinnerlichten Homophobie sagte Faderman: „Das ist die Stimme im Kopf, die man nie ganz loswird.“ Alle Ausgaben von „Vice Versa“ stehen auf der Seite Queer Music Heritage online.
Der Artikel von Kellie Gormly erschien am 23. Oktober 2026 bei LGBTQ Nation.
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