Die Autorin queerer Romane wie „Wachs“ und „Missouri“ wurde in Darmstadt mit dem wichtigsten deutschsprachigen Literaturpreis geehrt. In ihrer Dankesrede erzählte sie, was sie am besten kann: streichen.
Bild: KI-generiert · Illustration
Die Autorin Christine Wunnicke ist von der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung bei einem Festakt in Darmstadt mit dem Georg-Büchner-Preis 2026 ausgezeichnet worden. „Ich bin immer noch perplex“, sagte sie am Samstagabend im Staatstheater. Der seit 1951 vergebene und mit 50.000 Euro dotierte Preis zählt zu den wichtigsten literarischen Auszeichnungen im deutschsprachigen Raum.
In ihrer Dankesrede sagte Wunnicke, was sie beim Schreiben am liebsten tue und am besten könne, sei streichen. Deshalb seien ihre Bücher irgendwann so kurz geworden. Beim Schreiben der Rede habe sie ebenfalls gestrichen, am Ende sei nur ein Satz übrig geblieben. Also habe sie beschlossen, lieber Büchner zu lesen und sich in die Bahn zu setzen: Im öffentlichen Nahverkehr könne sie sich besonders gut konzentrieren.
Die Jury begründete die Entscheidung mit Wunnickes „stets überraschendem und souverän konzipiertem Erzählwerk“. Ihre Kunst mache im vermeintlich Historischen das Fiktionale sichtbar und ermögliche so einen entlarvenden Blick auf die europäische Wissenschafts- und Kolonialgeschichte.
Die in München geborene Autorin studierte Linguistik, Altgermanistik und Psychologie in Berlin und Glasgow. Sie erhielt unter anderem den Wilhelm-Raabe-Preis und stand zweimal auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises, zuletzt im vergangenen Jahr mit „Wachs“. Der Roman spielt im Frankreich des 18. Jahrhunderts und erzählt von zwei sich liebenden Frauen, darunter Marie, die schon mit 13 Jahren Leichen kaufen will, um Anatomin zu werden. Schon vor „Wachs“ veröffentlichte Wunnicke mehrere bedeutende queere Romane. Im vergangenen Jahr wurde sie außerdem für ihr Lebenswerk mit dem Jean-Paul-Preis ausgezeichnet.
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