Der US-Maler Louis Fratino zeigt in London nackte Männer im Alltag und beim Sex, sein Auktionsrekord liegt inzwischen bei 756.000 Dollar. Parallel läuft in der Courtauld Gallery eine Schau von Salman Toor.
Bild: KI-generiert · Illustration
Louis Fratino, Jahrgang 1993, gehört zu den gefragtesten queeren Malern der Gegenwart. Sein Auktionsrekord lag 2021 bei 55.500 US-Dollar, inzwischen liegt er bei 756.000 Dollar. Einen weiteren Schub brachte ihm der Auftritt auf der 60. Biennale in Venedig, auf der queere Kunst so sichtbar war wie nie zuvor. Seit diesem Jahr vertritt ihn die Galerie David Zwirner, eine der größten der Welt. Deren Londoner Dependance zeigt unter dem Titel „Prose“ seine erste Einzelausstellung in Großbritannien.
Fratino malt nackte Männer in der Badewanne, beim Cruising, beim Sex, aber auch in der U-Bahn oder im Kreis der Familie. Schwuler Sex hat bei ihm keine Sonderrolle, er gehört zum Alltag. Kunsthistorisch nennt der Artikel Matisse, Picasso und David Hockney als Bezugspunkte.
Zeitgleich zeigt die Courtauld Gallery in London unter dem Titel „Someone Like You“ die erste europäische Einzelausstellung von Salman Toor. Auch Toor malt queere Intimität, orientiert sich aber an den Alten Meistern.
Für diese Richtung hat sich der Begriff „New Queer Intimism“ eingebürgert. Der Kunstkritiker Tyler Malone prägte ihn 2019 anlässlich einer Ausstellung von Doron Langberg und knüpfte damit an den Intimismus um 1900 an, etwa an Pierre Bonnard und Édouard Vuillard. Zu den „New Queer Intimists“ zählt Malone neben Langberg auch Fratino, Toor, Kyle Coniglio und Anthony Cudahy.
Fratino selbst sieht den Erfolg nicht nur positiv. Heterosexuelle Sammler hätten ihm gesagt, es sei toll, dass das alles so normal aussehe. Daraufhin habe er sich gefragt, ob er schwule Identität zum Konsumprodukt mache, sagte er in einem Interview mit thebody.com. In der Londoner Ausstellung fällt außerdem auf, dass auffallend viele Frauen kommen. Der Artikel sieht darin eine Parallele zum Erfolg schwuler Liebes- und Sexgeschichten bei einem großen weiblichen Publikum, wie etwa die Serie „Heated Rivalry“.
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