Öffentliche Bibliotheken in Alabama müssen Bücher über trans Menschen und Geschlechtsidentität künftig aus den Jugendabteilungen entfernen. Kritiker sprechen von einer staatlichen Zensurstelle.
Bild: KI-generiert · Illustration
Der Vorstand des Alabama Public Library Service hat neue Richtlinien beschlossen, die Kindern und Jugendlichen den Zugang zu Büchern über Geschlechtsidentität und trans Menschen in öffentlichen Bibliotheken erschweren. Betroffen sind Werke, die medizinische Verfahren zur Geschlechtsangleichung, sogenannte „Gender-Ideologie“ oder die Existenz von mehr als zwei biologischen Geschlechtern thematisieren.
Die Bücher sollen nicht verboten, aber aus den Jugendabteilungen entfernt und in die Erwachsenenbereiche verlegt werden. Bibliotheken müssen die Vorgabe bis zum 1. Oktober umsetzen, andernfalls droht ihnen ein sofortiger Stopp staatlicher Fördermittel. Vorangetrieben wurde die Regel von Vorstandsvorsitzendem John Wahl, der als Kandidat der Republikaner für das Amt des Vizegouverneurs antritt, sowie von Vorstandsmitglied Amy Minton.
Innerhalb der Behörde regt sich Widerstand gegen einzelne Details der Umsetzung: Die Personalverantwortliche Pennie Broussard hält eine vorgesehene neue Stelle für einen Compliance-Beauftragten für überflüssig, da vorhandenes Personal die entsprechenden Aufgaben bereits übernehme. Rex Bain, Leiter der Lawrence County Public Library, berichtet von praktischen Problemen: Mit drei Teilzeitkräften sei die Umsetzung kaum zu stemmen, zumal sich in 13 Jahren nie eine einzige Beschwerde über den Inhalt eines Buchs bei ihm gemeldet habe.
Die Initiative Read Freely Alabama kritisiert die Regel scharf: Sie schaffe faktisch eine staatliche Zensurstelle und weite die Kontrolle des Bundesstaats über lokale Bibliotheken in unangemessener Weise aus.
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