Eine Zwillingsstudie aus Melbourne zeigt: Erbgut beeinflusst, ob jemand trans* ist, erklärt es aber nicht allein.
Bild: KI-generiert · Illustration
Ein internationales Forschungsteam unter Leitung der University of Melbourne hat in der Fachzeitschrift Scientific Reports eine Zwillingsstudie zur genetischen Mitbestimmung von trans* Identität veröffentlicht. Untersucht wurden 463 Zwillingspaare, 222 eineiige und 241 zweieiige, bei denen jeweils mindestens eine Person trans* ist.
Bei eineiigen Zwillingen, die ihr komplettes Erbgut teilen, lag die Konkordanzrate bei 21,2 Prozent. In gut jedem fünften Paar war demnach auch der zweite Zwilling trans*. Zweieiige Zwillinge, genetisch einander nur wie gewöhnliche Geschwister ähnlich, kamen auf 8,7 Prozent. Diesen Unterschied werten die Autor:innen als Hinweis auf einen genetischen Beitrag.
Zugleich zeigen die Zahlen die Grenzen dieses Befunds deutlich: Bei vier von fünf eineiigen Zwillingspaaren war nur eine Person trans*, obwohl beide dasselbe Erbgut tragen. Eine einzelne verantwortliche Genvariante fanden die Forschenden nicht, stattdessen wirkten vermutlich viele Gene und Umweltfaktoren zusammen. Für pränatale Hormone als alleinige Erklärung ergab die Studie keine Belege.
Die Ergebnisse decken sich mit einer Metaanalyse von 16 Studien, die im März 2026 in der Fachzeitschrift Behavior Genetics erschien. Eine einfache biologische Erklärung liefert die Studie damit nicht, sondern ein Zusammenspiel aus Veranlagung und Umwelt. Weitere Forschung auf breiterer Datenbasis sei nötig, um dieses Zusammenspiel genauer zu verstehen, so die Autor:innen der aktuellen Studie. Für Angehörige der trans* Community bedeutet das Ergebnis vor allem eines: Es gibt keine einzelne biologische Ursache, auf die sich Identität zurückführen ließe.
Verwandte Artikel
Psychologe: Binäres Geschlechtermodell wird globaler Vielfalt nicht gerecht
Der Psychologe Joel R. Anderson zeigt in einem Fachbeitrag, dass binäre Geschlechtermodelle der weltweiten Vielfalt geschlechtlicher Identitäten nicht gerecht werden – von Hijra bis Two-Spirit. Kolonialismus habe viele dieser Traditionen gezielt zurückgedrängt.
Neue Daten: Rekordanteil queerer Menschen in den USA, trotz schwindender Erhebungen
Laut Auswertung der Human Rights Campaign Foundation identifizieren sich 12 Prozent der erwachsenen US-Bevölkerung als LGBTQ+ – während die Trump-Regierung entsprechende Fragen aus Erhebungen streicht.
Schulbezirk in Maryland verschärft nach Bundesdruck Meldepflicht bei Gender-Fragen
Nach einer Klage konservativer Eltern und Ermittlungsdrohungen des US-Bildungsministeriums hat der Schulbezirk Anne Arundel County seine Richtlinie zur Geschlechtsidentität von Schülerinnen und Schülern verschärft.