Das Konzept eines dritten Geschlechts beschreibt Menschen, die sich nicht in die binäre Einteilung „männlich" und „weiblich" einordnen lassen wollen oder können. Es wird heute meist als eine Variante nichtbinärer Geschlechtsidentität verstanden, auch wenn beide Begriffe nicht deckungsgleich sind. Im deutschsprachigen Raum verbreitete sich die Bezeichnung unter anderem durch Ernst von Wolzogens Roman „Das dritte Geschlecht" (1899); ältere gedankliche Vorläufer finden sich schon in Platons „Symposion" mit seinen androgynen Kugelmenschen.
Zahlreiche Kulturen kennen traditionelle dritte Geschlechter mit eigenen sozialen Rollen: die Hijra in Indien, Pakistan und Bangladesch, die Fa'afafine auf Samoa, Two-Spirit-Rollen bei nordamerikanischen indigenen Völkern, teils die Kathoey in Thailand sowie die Muxe in Südmexiko.
Rechtlich hat sich ein dritter Geschlechtseintrag in den vergangenen Jahren in vielen Ländern etabliert. In Deutschland ermöglicht seit 2018 der Eintrag „divers", weder dem weiblichen noch dem männlichen Geschlecht zugeordnet zu sein – bis September 2020 nutzten das 413 Personen. Österreich kennt seit 2019 ähnliche Optionen („divers", „inter", „offen" oder kein Eintrag), Malta erlaubt seit 2015, die Geschlechtsangabe zunächst offenzulassen. Weltweit erkennen mittlerweile mehr als 20 Staaten eine dritte Geschlechtsoption an, darunter Australien, Kanada, Neuseeland und – in 26 Bundesstaaten – die USA.