Femminielli (Einzahl: Femminiello) sind Menschen, die in der traditionellen neapolitanischen Kultur eine eigene Geschlechterrolle einnehmen. Das Wort stammt vom neapolitanischen „femmena“ für Frau und einer männlichen Verkleinerungsendung und bedeutet etwa „kleine Frau-Männer“. Es ist weder abwertend noch ein Schimpfwort, sondern beschreibend gemeint.
Femminielli gelten traditionell als Glücksbringer. Deshalb darf ein Femminiello in manchen Vierteln ein Neugeborenes halten oder beim Tombola-Spiel mitmachen, besonders bei der Tombolata dei Femminielli, die jedes Jahr am 2. Februar zum Abschluss der Candelora am Heiligtum von Montevergine stattfindet. Auch bei der Tammurriata, einem traditionellen Tanz zum Fest der Madonna dell’Arco, spielen sie eine Rolle. In Torre Annunziata gibt es am Ostermontag einen Umzug, bei dem Femminielli in Brautkleidern mit einem „Ehemann“ in Kutschen durch die Straßen fahren.
Ob man den Begriff mit „trans“ gleichsetzen darf, ist umstritten. Er ist kulturell eigenständig und nicht mit dem Begriff Transfrau deckungsgleich, der vor allem im nordeuropäischen und nordamerikanischen Raum gebräuchlich ist. Historikerinnen und Historiker betonen, dass Femminielli ausdrücklich als männlich gelten, obwohl sie eine weibliche Rolle ausfüllen. Manche Forschende sehen Verbindungen zu den antiken Galli, den Priestern der Göttin Kybele. Ob es diese Linie tatsächlich gibt, ist nicht abschließend geklärt.