In Berlin-Mitte hat ein Neubau mit 74 barrierefreien Mietwohnungen, Café und soziokulturellem Zentrum eröffnet. Initiiert hat ihn der Verein RuT. 70 Prozent der Wohnungen sind öffentlich gefördert.
Bild: KI-generiert · Illustration
In Berlin-Mitte ist das bundesweit erste Lesbenwohnprojekt eröffnet worden, wie das Magazin L-MAG berichtet. Der Neubau bietet 74 Mietwohnungen, darunter fünf rollstuhlgerechte, außerdem ein Café und ein soziokulturelles Zentrum. Die Warteliste war lang. Zwei Bewohnerinnen, die mit dem Rollstuhl vor dem Haus unterwegs waren, nennen ihre Wohnungen „barrierefrei und bezahlbar“. Eine von ihnen hatte zuvor mit ihrer Freundin in Kreuzberg gelebt und rechnete damit, sich die Miete dort bald nicht mehr leisten zu können.
Initiatorin ist Jutta Brambach, Geschäftsführerin der RuT gGmbH, einer Tochter des seit 1989 bestehenden Vereins Rad und Tat – Offene Initiative Lesbischer Frauen. Das Haus soll queere Menschen willkommen heißen, besonders solche mit Behinderung. Es ist ein Kompromiss: Eigentümerin und Vermieterin ist nicht RuT, wie ursprünglich geplant, sondern die städtische Wohnungsbaugesellschaft Mitte (WBM). Im Erdgeschoss ist RuT Generalmieterin und hat den Ausbau selbst übernommen. „Ein Megastress war das“, sagt Brambach, noch am Tag vor der Eröffnung seien Handwerker im Haus gewesen.
Im Erdgeschoss sind Büros, Beratungsräume und Gruppenräume des Vereins untergebracht, dazu der Besuchsdienst „Zeit für dich“. Herzstück ist ein 120 Quadratmeter großer, barrierefreier Veranstaltungssaal mit Tanzschwingboden, der sich teilen lässt. Dort trifft sich ein queerer Chor, der Saal kann auch für Seminare, Tanzworkshops oder Yoga gemietet werden, gestaffelt nach Veranstaltung und Zahlungsfähigkeit. Das angrenzende Café Krunsch serviert venezolanische Küche.
In den oberen Etagen gibt es Ein- bis Vierzimmerwohnungen, die meisten mit eineinhalb oder zwei Zimmern, damit die Mieten langfristig bezahlbar bleiben. Zwei Regenbogenfamilien sind eingezogen, dazu kommt eine Pflege-WG mit acht Plätzen. 70 Prozent der Wohnungen sind öffentlich gefördert und kosten mit Wohnberechtigungsschein 100/140 ab 7 Euro pro Quadratmeter, mit WBS 180 sind es 9,50 Euro. Die frei finanzierten Wohnungen kosten je nach Einkommen 11 bis 15,45 Euro.
Bewohnerin Katharina, 60, wollte „keine WG mit Putzplan, aber gegenseitige Unterstützung“. Ihre Wohnung ist 10 Quadratmeter kleiner und 200 Euro teurer als die alte, sie ist trotzdem zufrieden. Im Haus gibt es schon eine Kochgruppe, und einige wollen gemeinsam Englisch lernen. Brambach hofft nun, dass die Community den Ort annimmt. Die Miete für die Gemeinschaftsräume lässt sich nur mit Raumvermietung, Spenden und Patenschaften stemmen.
Verwandte Artikel
Berlin: Razzia in trans Gesundheitszentrum Casa Ku löst Kritik aus
Die Polizei hat das trans Gesundheitszentrum Casa Ku in Berlin-Kreuzberg durchsucht. Der Verdacht: illegaler Handel mit verschreibungspflichtigen Medikamenten. Verbände sprechen von Kriminalisierung und fordern Versorgung.
Berlin: Polizei sucht mit Fotos zwei mutmaßlich homophobe Schläger vom U-Bahnhof Alt-Mariendorf
Ein Jahr nach einem Angriff auf einen 30-Jährigen am U-Bahnhof Alt-Mariendorf veröffentlicht die Berliner Polizei Bilder einer Überwachungskamera. Zwei Männer sollen den Mann homophob beleidigt und verletzt haben.
Berlin: Linke, Grüne und SPD wollen Regenbogenhauptstadt-Profil sichern
Nach der Abgeordnetenhauswahl haben Linke, Grüne und SPD in Berlin ihre Sondierung abgeschlossen. Das Papier sieht vor, queere Räume zu sichern, Schutzlücken zu schließen und das Landesantidiskriminierungsgesetz zu reformieren.